Windenergie

Flugdrachen-Segel erzeugt billige Windenergie

30.10.2009 | Redakteur: Juliana Schulze

Der italienische Flugtechnikfachmann Massimo Ippoliti vom Kite Gen Research Srl hat ein Verfahren zur Stromerzeugung von Windkraft entwickelt, bei dem die Windgeschwindigkeiten in der unteren Atmosphäre genutzt werden.

Der so genannte Kite Gen, der einem Flugdrachen ähnelt, besteht aus hochresistenten Kunststoffseilen, die auf zwei Spulen befestigt sind. Diese Kunststoffseile bewegen in 800 bis 1000 Meter Höhe, je nach Windstärke und -richtung, das Kite-Segel mit einem Schwenkarm aus Aluminium. „Während die herkömmlichen Windturbinen hinsichtlich Bauwerkshöhe, Stabilität und Standortfaktoren schnell an ihre Grenzen stoßen, ist der leichte und extrem flexibel arbeitende Kite Generator auch in windarmen Gegenden sowie Flughöhen von bis zu 10 000 Metern einsetzbar“, meint Ippoliti.

Der Strom wird am Boden erzeugt

Beim Kite Gen werden die Kunststoffseile auf den zwei Spulen immer wieder auf- und abgespult und treiben so einen ringförmigen elektromagenetischen Generator an. Das System wird durch eine Software gesteuert, die kontinuierlich Daten über Sensoren austauscht, die am Flugkörper befestigt sind. Dadurch wird der Wind optimal ausgenutzt. „Im Gegensatz zur schweren Windturbine, die einen hohen Aufwand an Material und Fundamentarbeiten erfordert, erfolgt die Stromerzeugung am Boden“, erklärt der Flugtechnikfachmann.

In 800 Metern Höhe herrschen Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 7,2 Metern pro Sekunde und ermöglichen so Stromleistungen von 205 Watt je Quadratmeter. Das hat eine Windstärkenmessung in der Troposphäre ergeben. Ippoliti leitet daraus einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für den Kite Gen ab: „Bei einem 100 Megawatt-Kraftwerk kann mit Gestehungskosten von 0,05 Euro je Kilowattstunde gerechnet werden. Die Abschreibungsdauer beträgt gegenüber einem leistungsgleichen traditionellen Windpark nur ein Zwanzigstel.“ Hinzu kommt, dass der Kite Gen mit einem Radius von 1000 Metern einen geringen Platzbedarf hat. Bei einem traditionellen Windpark müsse ein höherer Mindestabstand zwischen den Turbinen eingehalten werden. Laut Ippoliti steht in Europa theoretisch ein Produktions-Äquivalent von 100 000 Kernkraftwerken zur Verfügung. Die bei einem Kernkraftwerk übliche Flugverbotszone biete allein Platz für ein Gigawatt Höhenwindkraft.

27 Megawatt Spitzenleistung

Das Windkraftwerk „Kite Gen Stem“, das zusammen mit dem Turiner Polytechnikum entwickelt wurde, wird derzeit in der Provinz Asti als Versuchsanlage aufgebaut. Es hat neun Generatoren und eine Spitzenleistung von 27 Megawatt. Eine Konfiguration mit 100 Megawatt Spitzenkapazität ermöglicht laut Ippoliti die Produktion von 500 Gigawattstunden im Jahr. Das würde ausreichen, um 86 000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Es sollen auch längerfristig karusellartig zusammengesetzte Konstruktionen bis 1000 Megawatt Gesamtleistung mit Gestehungskosten von 0,03 Euro je Kilowattstunde sowie Anwendungen im Offshore-Bereich angeboten werden. Bei Flughöhen von 10 000 Metern sind laut dem Flugtechnikfachmann sogar Windkraftwerke mit 6000 Megawatt Spitzenleistung möglich.

Quelle: pressetext.austria

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